Über Dynamic Cognition

Seit sechs Jahrzehnten erforschen wir die materielle Kultur vergangener Jahrhunderte. Was uns antreibt, ist die Überzeugung, dass historische Textilien nicht nur schön, sondern auch beredte Zeugen ihrer Zeit sind.

Die Anfänge

Im Frühjahr 1963 eröffnete Dr. Elisabeth Hartmann in einem Münchner Hinterhof ihre Forschungswerkstatt für Textilgeschichte. Die promovierte Kunsthistorikerin hatte während ihrer Arbeit am Germanischen Nationalmuseum eine Lücke erkannt: Während Gemälde und Skulpturen intensiv erforscht wurden, fristeten Textilien ein Schattendasein in Depots.

Mit einem Mikroskop, einer umfangreichen Materialbibliothek und viel Überzeugungsarbeit begann sie, Museen ihre Expertise anzubieten. Der Durchbruch kam 1967 mit der Analyse eines vermeintlich mittelalterlichen Textils aus dem Besitz eines süddeutschen Klosters – Hartmann konnte nachweisen, dass es sich um eine Fälschung des 19. Jahrhunderts handelte.

1963

Drei Generationen, eine Mission

1963–1992

Die Gründerzeit

Dr. Elisabeth Hartmann etablierte die wissenschaftliche Textilanalyse als eigenständige Disziplin im deutschsprachigen Raum. Sie entwickelte Methoden zur zerstörungsfreien Untersuchung und bildete die erste Generation von Textilforschern aus.

1992–2018

Internationalisierung

Unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Hartmann, Elisabeths Sohn, erweiterte sich das Spektrum. Kooperationen mit Universitäten in Florenz, Lyon und London brachten neue Methoden. Die erste digitale Datenbank historischer Webmuster entstand.

2018–heute

Technologie und Tradition

Dr. Sarah Hartmann-Fischer führt das Familienunternehmen in die dritte Generation. 3D-Scanning, digitale Mustererkennung und KI-gestützte Datierungshilfen ergänzen das traditionelle Handwerk. Das Team umfasst heute zwölf Spezialisten.

Unser Team

Historische Textilforschung verlangt ein breites Spektrum an Kompetenzen. Unser interdisziplinäres Team vereint Kunstgeschichte, Chemie, Restaurierungswissenschaft und traditionelles Handwerk.

Dr. Sarah Hartmann-Fischer

Geschäftsführung und wissenschaftliche Leitung

Promotion über spätmittelalterliche Tuchmacherei in Süddeutschland. Forschungsschwerpunkte: Webstrukturen, Zunfttextilien, materielle Kultur des 14.–16. Jahrhunderts.

Dr. Martin Schreiber

Textilchemie und Farbstoffanalyse

Chemiker mit Spezialisierung auf historische Färbetechniken. Entwickelte neue Verfahren zur Identifikation pflanzlicher Farbstoffe in degradierten Geweben.

Johanna Kessler M.A.

Schnittrekonstruktion und Kostümgeschichte

Ausgebildete Damenschneiderin und Kostümhistorikerin. Expertise in der dreidimensionalen Rekonstruktion historischer Schnitte vom Rokoko bis 1900.

Dr. Anke Breitner

Konservierungswissenschaft

Restauratorin mit Schwerpunkt textile Objekte. Berät Museen bei Klimakonzepten, Lagerung und präventiver Konservierung. Mitglied im ICOM-Committee for Conservation.

Thomas Eberhardt M.A.

Digitale Dokumentation

Spezialist für 3D-Erfassung fragiler Objekte. Entwickelte Workflows für die berührungslose Vermessung historischer Kleidung mittels Photogrammetrie und Laserscanning.

Lena Möller

Faseranalyse

Biologin mit Fokus auf Faseridentifikation. Betreut die umfangreiche Referenzsammlung mit über 3.000 historischen und modernen Fasermaterialien.

Unsere Werte

Wissenschaftliche Redlichkeit

Unsere Gutachten basieren auf nachprüfbaren Befunden. Wo Unsicherheiten bestehen, benennen wir diese klar. Wir folgen den ethischen Richtlinien der ICOM.

Respekt vor dem Objekt

Jede Untersuchung wird so schonend wie möglich durchgeführt. Invasive Methoden kommen nur zum Einsatz, wenn keine Alternativen bestehen und die Fragestellung es rechtfertigt.

Kontinuierliche Weiterbildung

Methoden und Erkenntnisse entwickeln sich stetig weiter. Regelmäßige Fachkongresse, Publikationen und der Austausch mit Kollegen weltweit halten unser Wissen aktuell.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Komplexe Fragestellungen erfordern vielfältige Perspektiven. Wir arbeiten mit Spezialisten aus Archäologie, Sozialgeschichte, Chemie und Restaurierung zusammen.

Mitgliedschaften und Netzwerke

  • ICOM (International Council of Museums) – Committee for Conservation
  • Deutsches Textilmuseum Krefeld – wissenschaftlicher Beirat
  • Arbeitskreis Historische Kleidung und Textilien (AHKT)
  • European Research Centre for Historical Costume
  • Verband der Restauratoren (VDR)
  • Gesellschaft für Archäologie in Bayern

Meilensteine

2023

Beratung für die Ausstellung „Prunk und Pracht: Höfische Kleidung 1650–1750" im Schloss Nymphenburg, München

2021

Entwicklung eines KI-gestützten Systems zur automatischen Musteranalyse historischer Seidenstoffe in Zusammenarbeit mit der TU München

2019

Auszeichnung mit dem Binding-Kulturpreis für herausragende Leistungen in der Denkmalpflege

2017

Vollständige Katalogisierung der Textilsammlung des Diözesanmuseums Freising – über 800 liturgische Gewänder

2014

Identifikation eines bislang unbekannten Seidenstoffs aus der Werkstatt von Philippe de Lasalle (Lyon, 1760er Jahre)

2008

Erster Einsatz von 3D-Scanning für die Dokumentation von Kleidung im Germanischen Nationalmuseum

Ausgewählte Publikationen

Hartmann-Fischer, Sarah (2024)

„Textile Spuren: Methoden der zerstörungsfreien Analyse historischer Gewebe." Berlin: Deutscher Kunstverlag.

Schreiber, Martin / Breitner, Anke (2023)

„Farbstoffchemie des 16. Jahrhunderts: Neue Befunde aus der Analyse süddeutscher Zunftkleidung." In: Zeitschrift für Kunsttechnologie und Konservierung, 37/2, S. 289–312.

Kessler, Johanna (2022)

„Vom Schnitt zur Silhouette: Rekonstruktion einer Robe à la française, ca. 1760." In: Waffen- und Kostümkunde, 64/1, S. 45–68.

Hartmann, Klaus (Hg., 2015)

„Materielles Gedächtnis: Textilien als Quelle der Kulturgeschichte." München: Hirmer Verlag.

Gemeinsam Forschung gestalten

Ob Sie eine konkrete Fragestellung haben oder zunächst Möglichkeiten ausloten möchten – wir freuen uns auf den Austausch.

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